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China

Potenzial für ausländische Versicherer in China wächst

Studie zum chinesischen Versicherungsmarkt "Foreign insurance companies in China"

Der chinesische Markt wird momentan nur von wenigen großen inländischen Versicherungsunternehmen dominiert. Der Anteil der ausländischen Versicherer beläuft sich in China aber derzeit gerade mal auf lediglich sechs Prozent. Doch ausländische Versicherer versuchen auch in China ihre Position auszubauen. Sie erweitern auch in China ihre bestehenden Angebote im Finanzdienstleistungsbereich und lassen ihr internationales Know-how und ihr Branchenwissen aus den Bereichen Sozial- und Privatversicherungen in den chinesischen Versicherungsmarkt einfließen. Vor allem in den Bereichen Lebens- und Krankenversicherungen sowie der Altersvorsorge sehen alle ausländischen Anbieter ein großes Potenzial für ihre Geschäftstätigkeiten in China. Hürden, Hindernisse und Risiken sehen die ausländischen Gesellschaften aber im Bereich der Personalrekrutierung, der regulatorischen Veränderungen und des Branchenimages. Das geht aus der Studie „Foreign insurance companies in China“ von PricewaterhouseCoopers (PwC) hervor.

Steigender Marktanteil ausländischer Versicherer

Der Marktanteil der ausländischen Versicherungen in China wird nach der Studie bis ins Jahr 2010 von heute sechs auf zehn Prozent ansteigen. Die Anzahl ausländischer Versicherer wird im gleichen Zeitraum von jetzt 40 auf rund 55 zunehmen. Heute beschäftigen die ausländischen Versicherer 79.000 Versicherungsagenten in China. Bis ins Jahr 2010 wird sich die Zahl auf 192.000 erhöhen, dies entspricht einer Zunahme von 142 Prozent. Wachstumsmöglichkeiten sehen die ausländischen Versicherer nach der Studie vor allem im Bereich Lebens- und Krankenversicherungen sowie in der Altersvorsorge. Denn diese Geschäftsfelder befinden sich in China noch im Entwicklungsstadium. Was die Performance insgesamt betrifft, rechnen zwei Unternehmen laut der Studie mit einem außerordentlichen Prämienwachstum von 200 bis 300 Prozent im Jahr 2007. Die anderen Versicherer rechnen mit je 25 bis 50 Prozent bzw. mit 75 bis 100 Prozent Prämienwachstum. Wachstumschancen sehen die ausländischen Versicherungen aber auch für große chinesische Versicherungsgesellschaften, die in Europa, Japan, Kanada und den USA zu expandieren beginnen und die in den Heimmärkten der ausländischen Versicherungsgesellschaften aktiv werden.

Richtige Mitarbeiter gesucht

Ausländischen Versicherer beschäftigen heute in China schon über 14.800 Mitarbeiter und erwarten bis zum Jahr 2010 ein Personalwachstum von rund 133 Prozent auf über 34.300 Mitarbeiter.

Der Ausländeranteil macht dabei aber rund 2,1 Prozent aus, das entspricht 312 Beschäftigte. Laut der Studie wird der Ausländeranteil bis zum Jahr 2010 nur minimal ansteigen. Verdoppeln wird sich dagegen laut der Studie die Anzahl der Niederlassungen bzw. Filialen ausländischer Versicherer in China. Deren Zahl steigt von heute 99 auf geschätzte 211 im Jahr 2010.

„Personalrekrutierung und Trainings sind für ausländische Versicherer daher eine große Herausforderung. Die Personalfluktuation ist in China aber sehr hoch, sie lag letztes Jahr nur gerade bei sechs der ausländischen Versicherer unter zehn Prozent. Bei vier Gesellschaften hat sie gar die 25-Prozent-Grenze überschritten. Vor allem für Führungspositionen, aber auch für Funktionen im Bereich Verkauf und Marketing ist es sehr schwierig, fähige Mitarbeiter in China selbst zu rekrutieren" meint Peter Lüssi, Partner und Leiter des Branchensektors Versicherungen bei PricewaterhouseCoopers Schweiz.

Chinesen sind zu wenig aufgeklärt und Branche hat ein schlechtes Image

Laut der Studie sind in China aber die Versicherungsnehmer bisher noch zu wenig über die Wichtigkeit des Versicherungsschutzes aufgeklärt. Erschwerend kommt hinzu, dass das Image der Branche in China sehr schlecht ist. Die Versicherungsvertreter gelten als unprofessionell und wenig vertrauenswürdig. Sowohl der Staat wie auch die Branche selbst versuchen die Öffentlichkeit für die Wichtigkeit und Notwendigkeit von Versicherungen zu sensibilisieren. Dies erfolgt zum Beispiel über Anreize wie Steuervorteile.

Große Hürde regulatorische Vorschriften und Veränderungen

Eine große Hürde für ausländische Versicherer stellen die regulatorischen Vorschriften und Veränderungen dar. Diese konzentrieren sich primär auf die Produkte und nicht die Prozesse. Die Lockerung gewisser Vorschriften hat es ausländischen Anbietern zwar ermöglicht zu expandieren und das Geschäft voranzutreiben. Gleichzeitig nimmt jedoch die Anzahl der Vorschriften zu, was sich wiederum als Bremse für die Weiterentwicklung und das Wachstum erweist.

Interessierte Leser können sich die Studie "Foreign insurance companies in China" hier als PDF-File downloaden.

Vor allem Allianz setzt auf China

Von deutscher Seite setzen vor allem der deutsche Versicherungsriese Allianz große Hoffnungen in den chinesischen Markt. In China übertreffen schon jetzt die Beitragseinnahmen aus der Lebensversicherung die gesamten Einnahmen aus dem Jahr 2006. Die Bruttobeitragseinnahmen der Allianz China Life übertrafen im ersten Halbjahr 2007 die Gesamtsumme von 2006 und erreichten 130 Millionen Euro. Dass entsprach einem Anstieg um 173 Prozent.

Aber auch der AWD hat schon sein Engagement in China angekündigt und will wohl im Jahre 2008, also im Jahr der Olympischen Spiele in Peking, damit loslegen.

China-Markt birgt Chancen und Risiken

Generell birgt der chinesische Versicherungsmarkt Chancen aber auch Risiken. Denn weniger als 4 Prozent der 1,3 Milliarden Chinesen haben bislang überhaupt eine Versicherung abgeschlossen. Für die Versicherer und Vertriebler ergibt das in China ein riesiges Potenzial für die Versicherungen.

Auch gibt der durchschnittliche Chinese im Jahr lediglich nur 46 US-Dollar für Versicherungspolicen aus. In Hongkong sind es dagegen 40 Mal so viel.

Doch noch ist der chinesische Versicherungsmarkt fest in chinesischer und damit staatlicher Hand. Die zehn größten Anbieter, allesamt einheimisch, haben 94 Prozent Marktanteil.

Ausländische Versicherer können in China aber noch nicht so frei agieren, wie sie wollen, sondern nur über Joint-Ventures, an denen sie maximal 50 Prozent halten können.

Dennoch wird der chinesische Versicherungsmarkt schon in Kürze der viertgrößte der Welt sein wird. Pro Jahr wächst der Markt um 15 Prozent.

Know-how der deutschen Versicherungswirtschaft gefragt

Doch nicht nur in den Bereichen Lebens- und Krankenversicherungen sowie der Altersvorsorge sind deutsche Versicherer in China gefragt.

Schwierig ist in China aber die Risikobewertung im Sachbereich und Kfz-Versicherungsbereich. Eine Risikobewertung ist bis dato extrem unterentwickelt oder überhaupt nicht vorhanden. Hier ist deshalb das Know-how der deutschen Versicherungswirtschaft gefragt.

Schwierig ist es vor allem das Risiko von Naturkatastrophen in China einzuschätzen bzw. zu bewerten. Die Gesellschaften gehen davon aus, dass 60 Prozent der großen Städte, ja sogar 70 Prozent der Städte mit mehr als einer Million Einwohner in seismischen Zonen angesiedelt sind. Das größte Erdbeben der Menschheit mit 240.000 Toten ereignete sich 1976 in Tangshan. Wie hoch die materiellen Schäden waren, kann heute in Wahrheit niemand sagen. Es war nämlich kaum etwas versichert. Daneben besteht im Rahmen des Klimawandels auch die Gefahr von Taifunen und Überflutungen in überdurchschnittlichem Maße.

Das sind aber bei weitem noch nicht alle Risken, die deutschen Versicherer und Rückversicherer zu bewerten haben. So werden aufgrund des Klimawandels alleine in China jährlich 40 Millionen der 150 Millionen Hektar Agrarland durch Unwetter, Taifune usw. zerstört. Die Verluste für 2006 werden mit 25 Milliarden Euro beziffert. Auch muss in China ein komplettes Sozialsystem (Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung) aufgebaut werden.

Kfz-Versicherungstarife müssen her

Selbst abseits der schwer einzuschätzenden Naturkatastrophen und eines fehlenden Sozialsystems gibt es in China noch mehr Unwägbarkeiten. Da erst in jüngster Zeit die Chinesen Autos kaufen und nicht so geübt sind, ist die Zahl der Schadensfälle überdurchschnittlich hoch. Es gibt aber noch keine Tarife für Personenwagen, Krankenwagen, Taxis, Lastkraftwagen oder Flugzeuge. Alles, was motorisiert ist, wird in China derzeit noch in einen Topf geworfen. Hier gilt es mit Hilfe der deutschen Versicherungswirtschaft neue Kfz-Tarife zu entwickeln und Flugzeuge anders und richtig abzusichern.

Entwicklungspolitische Zusammenarbeit mit China auch im Bereich Sozialsysteme und anderen Beratungsleistungen

In vielen Bereichen können aber in China zeitgerechte Lösungen besser und rascher mit ausländischer Unterstützung herbeigeführt werden. Deutsche Versicherer verfügen dabei über erhebliches Wissen und Know-how, das auch im Bereich der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit mit China gezielt eingesetzt werden kann. Dabei gibt es eine ganze Bandbreite von Beratungsleistungen, die China selbst beantragt hat und die dazu beitragen sollen, dass China den Anschluss an neue Entwicklungen im Bereich von Wirtschaft und Gesellschaft erhält und so die eigene Leistungsfähigkeit stärkt.

Mehr zu dieser entwicklungspolitischen Zusammenarbeit mit China finden deutsche Versicherer und Vermittler auf der Homepage der deutschen Botschaft in Peking. Dort sind auch die Schwerpunkte der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit mit China (z.B. Beratung im Bereich Wirtschaftsreform / Wirtschaftsrecht, soziale Sicherungssysteme) aufgeführt. Mehr Informationen zum Engagement in der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit mit der VR bekommen deutsche Versicherer und Vertriebe aber auch im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

Autor: Karl-Helmut E. Zermin

 

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